Folge 68 - Kurt Langbein: Sterben für Anfänger

Shownotes

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🎵 Intro-/Outro-Musik: That’s The Way, StreamBeats by Harris Heller

💐 Das Projekt „Hochpalliativ“ wird ermöglicht durch die ehrenamtliche Mitarbeit von DI Lukas Naske (Technik, Schnitt und Produktion) sowie durch die Förderung des Theodor Körner Fonds (Lea Kum als Preisträgerin des Theodor Körner Förderpreises 2023 für „Hochpalliativ - Entwicklung und Analyse eines deutschsprachigen Palliative Care Podcasts“). Vielen Dank!

Transkript anzeigen

00:00:00: Und eigentlich gehört die ganze Medizin als Palliativmedizin orientiert, weil das heißt ja nur möglichst wenig zu schaden und möglichst achtsam mit dem Menschen aus Ganzes umzugehen.

00:00:14: Nicht nur eine Organfunktion zu behandeln.

00:00:27: Hallo und herzlich willkommen zur Hochpalliatif den Podcast durch die Höhen- und Tiefen der Palliativkehr in Österreich.

00:00:33: Ich bin Lea, Pallietivmedizinerin in Ausbildung und neben mir sitzt Eva Professorin für Palletive Medizin.

00:00:40: Hallo Eva!

00:00:41: Hallo Lea, wir befinden uns an unterschiedlichen Punkten unserer Karriere aber teilen eine Leidenschaft.

00:00:47: Wir möchten mit so vielen Menschen wie möglich über palletive Care sprechen.

00:00:51: Ja und einer davon ist Kurt Langbein.

00:00:54: Wir sind heute also nicht zu zweit sondern zutritt und freuen uns sehr sie heute bei uns begrüßen zu dürfen.

00:01:02: Schönen Tag ich freue mich auch.

00:01:04: Sehr schön Unser heutiger Gast ist einer der renommiertesten Dokumentarfilmer und Wissenschaftsjournalisten des deutschsprachigen Raums.

00:01:14: Ja, und schon seit vielen Jahren setzen sie sich mit in ihrer Arbeit kritisch und tiefgrünig mit dem Gesundheitssystem auseinander.

00:01:23: Und der eigentliche Grund warum Sie heute bei uns sind, ist Ihr neuer Film Sterben für Anfänger über den wir heute auf jeden Fall ausgiebig sprechen werden.

00:01:33: aber vielleicht Wollen Sie sich mal kurz selber vorstellen, Herr Langbein?

00:01:38: Ja, Sie haben es eh schon gesagt.

00:01:40: Ich bin seit vier Jahrzehnten publizistisch tätig, ich schreibe Bücher und drehe Filme mit immer größerer Begeisterung bei den verschiedenen Erzählebenen des Filmes und mit Ton einfach faszinierend sind.

00:01:57: Ich war quasi am Ende meiner Laufbahn und aus mehreren Gründen erstens bin ich ziemlich alt Und zweitens bin ich relativ Bett-Patient.

00:02:08: In dem Sinne nicht, dass ich jetzt betlägerig wäre, sondern in dem Sinne das die mich betreuenden engagierten Ärzte mir mitteilen mussten, dass sie kein Rezept mehr gegen meine Krebserkrankung haben.

00:02:24: Das heißt, dass es keine Heilungen mehr möglich ist.

00:02:27: Wenn wir Sie zu anschauen können natürlich die Zuhörerinnen nicht sehen.

00:02:33: Dann haben ja manche Menschen so ein Bild im Kopf von einem Palliativpatienten.

00:02:37: Wenn ich sie jetzt hier so anschaue, Sie sind eigentlich braun gebrannt, kann man sagen?

00:02:43: So!

00:02:43: Schauen sehr gut aus – das ist immer seine Killer-Phrase für viele, du schaust gut aus.

00:02:48: Deswegen die Nachfrage wie fühlen Sie sich und wieso sind Sie so schön braun?

00:02:55: Ich bin so schön brown weil ich die Hälfte meines Lebens seit einigen Jahren auf einer Insel in Kroatien verbring in einem alten Steinhaus und am Hafen, in einen kleinen Boot.

00:03:07: Das bringt mir einen völlig anderen Rhythmus hat mir auch geholfen manche Hürden die mir ich vermute weniger die Krankheit als die Medikation gegen die Krankkeit gebracht haben zur Blutdruckkrisen und ähnliches zu überwinden weil dort der Lebensrhythmus ganz anders ist.

00:03:23: Mir geht es eigentlich halbwegs gut habe massive Schmerzen, die Muskulatur ist dauerend zündet.

00:03:34: Die einen sagen wegen des Krebses und anderen sagen wegen der Medikamente gegen den Krebs.

00:03:40: ich weiß es nicht.

00:03:42: Ich hab eine Neuropathie Meine Nieren sind auf zwanzig Prozent ungefähr auch wegen einer Therapie.

00:03:50: Also ich hab schon erhebliche Einschränkungen aber ich kann mit dem Schmerzendank guter Medikament ja auch ganz gut umgehen.

00:04:00: Wir haben vorhin kurz gesprochen oder sind zu sprechen gekommen, als wir uns kennengelernt haben nach ihrem weiten Weg hierher ins AKH durch das Labyrinth.

00:04:11: Dass sie ein Schmerzpflaster

00:04:13: haben.

00:04:14: und können Sie vielleicht erzählen wie es für sie gewesen ist im Laufe der Krankheit diese ganzen Medikamente gegen die Krankheit zu erhalten und dann schließlich auch eine sogenannte Opioidtherapie als ein starkes Schmerzmittel zu erhalten, weil es dadurch immer noch große Ängste in der Bevölkerung gibt versucht.

00:04:36: Ja gerne!

00:04:37: Vor allem meine Einschränkung beim Gehen durch Muskelkrämpfe und muskelschmerzen ist immer stärker geworden.

00:04:45: ich habe es teilweise nicht mehr geschafft hundert Meter zum Bilder zu gehen.

00:04:51: das hat mich schon sehr niedergehaut würde ich sagen.

00:04:56: Es gab ein langes Rätselraten, wie man das beeinflussen kann und Gott sei Dank ist mein neu gemein Mediziner der mich betreut und auch Palliativmediziner ist.

00:05:07: Dann hat er den Vorschlag gemacht dass wir auf Morphine mich einstellen und zwar sind es Pflaster Puprenorphin, jetzt mittlerweile deutlich gesteigerter Dosis weil es einfach viel mehr hilft.

00:05:23: Das beeinträchtigt mich im Alltag praktisch gar nicht.

00:05:28: auch meine Verdauung wird dadurch wenig beeinflusst bis gar nicht beeinflußt wenn ich ein bisschen Acht gebe dass ich halt Möseli esse und das hat mich wieder halbwegs auf die Beine gebracht so dass sich auch durch das Labyrinth ... dem Acker hat ihnen gefunden, wenn gleich auch ein bisschen langsam.

00:05:51: Ja das ist ja eigentlich für uns jetzt zu einem Highlight oder einen Novum dass wir zum ersten Mal... Wir reden zwar über den Film vor allem aber auch sie als Patienten quasi die Patientenseite mal beleuchten dürfen in unserem Podcast und ich würde da noch interessieren Wann in ihrer Krankengeschichte haben Sie dann zum ersten Mal von Palliativkehr gehört?

00:06:17: Also vielleicht, wenn ihr allgemein Mediziner da schon besiert ist.

00:06:21: Ja ich bin ja seit siebzehn Jahren Krebspatient und habe mich seit damals noch viel klarer und schärfer mit Medizin und mit Krebs und den Therapien und dem was auch mich persönlich erwartet beschäftigt hab darüber auch geschrieben und auch viel mehr gemacht.

00:06:40: Daher weiß ich seit Langem, über die Palliativmedizin bescheid.

00:06:45: das einzige.

00:06:46: Was ich seit langem bedauere ist dass die Pelliativ Medizin – ich hoffe sie verzeiht es mir – immer noch so ein Schatten da sein führt und eigentlich gehört die ganze Medizin als Pellativmedizin orientiert weil das heißt ja nur möglichst wenig zu schaden und möglichst achtsam mit dem Menschen als Ganzes umzugehen, nicht nur eine Organtfunktion zu behandeln.

00:07:13: Das ist mir ein großes Anliegen.

00:07:16: Mein Film handelt auch zum guten Teil davon wie wichtig das ist und was es bedeutet für die Menschen und dass es nicht darum geht, mit Palliativ gleich verbinden.

00:07:28: Jetzt ist aus wobei ich gestehn muss Mir die Ärzte gesagt haben so, jetzt haben wir kein Mittel mehr.

00:07:36: Dass über das wir optimistisch reden können in dem Sinn dass wir eine Heilung erhofften da hat es mich schon trotz allem Wissen und trotz aller Beschäftigung damit trotzdem einmal hin und her gewandelt.

00:07:47: Und dann plötzlich hat man so das Gefühl Es werden an die Füße weggezogen.

00:07:52: Das ist einfach massiv.

00:07:56: Bei mir ist es darin gegipfelt sehr positiv, dass ich darüber geträumt über mein Leben geträummt habe.

00:08:04: Über ganz viele Passagen meines Lebens und war ganz selig immer aufzuwachen und mich daran zu erinnern und wollte immer gleich weiter träumen.

00:08:13: Es war eine Form quasi der positiven Bewältigung seit damals.

00:08:18: Schreckts mich nicht mehr.

00:08:19: Intellektuell war mir immer klar das.

00:08:21: es steht auch noch ein beträchtliches Beträchtliche Lebenszeit vor mir.

00:08:26: Das ist mir auch recht, solange die Beschwerden nicht überhand nehmen.

00:08:31: Und jetzt heißt ihr Film ja Sterben für Anfänger.

00:08:34: und da wollte ich nachfragen erstens wie sind sie auf den Titel gekommen?

00:08:38: Und zweitens Sind Sie noch ein Anfenger?

00:08:44: Ja wir alle sind Anfängern beim Sterben.

00:08:47: Jeder von uns vermutlich stirbt nur einmal wenn man die Menschen ausnimmt einmal einen Herzstillstand hatten und eigentlich klinisch tot waren und dann wieder belebt werden.

00:08:58: Und was die erleben, das kommt in einem Film ganz breit vor weil es ist ja nicht fantastisch.

00:09:03: Weil sich da zeigt dass unser Bewusstsein offenbar viel mehr ist als das Gehirn produziert.

00:09:11: Das steht ja dann still beim Herzstillstand und die gehen ins Fähren über die alle eigentlich als wunderbar beschreiben.

00:09:21: Manche sind sogar traurig, dass sie wieder zurückkommen.

00:09:24: Aber im Prinzip sind wir alle Anfänger und was mich sehr motiviert hat den Film anzugehen ist das wir mit dem Tod so restriktiv und so verdrängend umgehen.

00:09:38: man redet nicht mehr drüber es passiert im Stillen.

00:09:42: die Menschen die gestorben sind werden irgendwie in irgendwelchen Zink oder Metall sergen abtransportiert.

00:09:50: Sieht sie nicht mehr?

00:09:51: Es gibt keine Zeremonien des Abschieds von diesen Menschen, der da gerade eben noch gelebt hat.

00:09:58: Das ist kalt und unpersönlich.

00:10:04: Und ich habe eigentlich das Anliegen, dass den Tod, das Sterben mit dem Film ein bisschen ins Leben

00:10:10: zurückzuholen.".

00:10:13: Wir durften den Film ja schon sehen – und es wurde auch bei uns an der Ballitiverteilung am AKH gedreht Und jeder, denke ich, der sich diesen Film ansieht, nimmt wahrscheinlich etwas anderes wahr.

00:10:27: Mir ist in Erinnerung dieses Boot am Schluss, dieses Springen ins Meer und auch ganz besonders diese Anfangsszene gemeinsam mit ihrer Frau wo sie eigentlich auch über sehr intime Dinge sprechen.

00:10:43: Ich wollte Sie fragen wie haben Sie den Mut aufgebracht?

00:10:47: Zu äußern, weil der Tod ist ja auch was Intimes.

00:10:50: Sexualität ist was Intimas.

00:10:52: Ihre Familie war mit an Bord.

00:10:54: Ihr Sohn war Co-Produzent wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

00:10:59: Wie haben Sie diesen Mut?

00:11:00: Das sind lange Prozesse.

00:11:02: also ich... Am Beginn meiner Diagnose war ich ein sehr sachlicher Journalist der persönliche Bezüge eigentlich vermieden hat.

00:11:14: Das hat mich aber damals so bewegt, was da mit mir passiert und was in mir passiert.

00:11:20: Was für Wandelungen und Angstzustände ich bekomme.

00:11:25: Und dann habe ich begonnen Tagebuch zu führen, das habe ich hier nie gemacht.

00:11:29: Dann habe ich eine Freundin die Tagebücher gezeigt und sie gesagt, ja, das musst du publizieren!

00:11:36: Und dann hab ich mich dazu durchgerungen jetzt meinen Beruf anders zu sehen nämlich Ich bin in der privilegierten Situation, wenn ich Mitteilungen mache und etwas erzähle, dass viele Leute zu sehen und zu hören.

00:11:51: Und ich sehe das eigentlich fast als Verpflichtung, das zu nützen auch über die inneren Zustände und auch über Zwangslagen, in denen man gerät und vor allem auch über Ängste und Überwindung der Ängsten reden kann.

00:12:11: und immer weiter praktiziert.

00:12:15: Auch eben den Film über das Sterben habe ich eigentlich begonnen, als ich noch nicht palliativ Patient war aber er hat dadurch natürlich einen völlig anderen Akzent bekommen weil ich da viel näher dran herangehe.

00:12:32: Und ich finde es eigentlich traurig dass wir höchstpersönliche Angelegenheiten wie Sterben, aber auch Sexualität sozusagen auch gedanklich und verbal nur in unserem Kamerl behandeln und nicht offen damit umgehen.

00:12:50: Es ist gerade auch im Milieu, indem ich mich bewege, merke ich da immer wieder wenn ich erzähle was machst du jetzt?

00:13:01: Ich mache ein Film über das Sterben Wie sich die Blicke senken Und wie die Leute gar nicht wissen, wie sie damit umgehen.

00:13:08: und manche sagen mir sogar aber so was kann man doch nicht machen.

00:13:13: Im Sinne von das Sterben sei eine Privatangelegenheit, in niemandem etwas angeht.

00:13:19: Das Sterben geht uns alle an und wir müssen uns... Wir sind gut beraten!

00:13:24: Wir müssen gar nichts!

00:13:25: Wir sind ein bisschen gut beratet, uns damit hoffen auseinanderzusetzen.

00:13:31: Ich habe meine Ängste vor dem Sterben durch eine offene Auseinandersetzung völlig überwunden.

00:13:37: Und ich hoffe, dass der Film dazu beiträgt und das andere Menschen den Weg auch ein bisschen gehen.

00:13:45: Das ist wunderschön!

00:13:46: Ich habe auch das Gefühl als was sie sagen ist einfach palliativ quer also mit der Diagnose und mit der Mitteilung... heilende, kurative Therapie mehr gibt.

00:13:57: Dass das ein Schock ist und dass es eine Krise ist in die man kommt, egal wie man sich vorbereiten.

00:14:02: Das sehen wir oft.

00:14:04: aber, dass man einfach durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Themen den Weg etwas besser gehen kann.

00:14:12: Genau.

00:14:14: Und dann kommt noch ein bisschen was dazu, diese Nahtodeserlebnisse, die eben von den Menschen als wunderbar und positiv beschrieben werden so sphärisch positiv, dass viele sich gar nicht trauen drüber zu reden.

00:14:29: Die machen auch ein bisschen so etwas wie Hoffnung, das es etwas gibt – ich bin nicht gläubig -, was wir mit unserem Sinnen und unserer naturwissenschaftlich orientierten Verständnis von Leben noch gar nicht

00:14:46: erfassen.".

00:14:47: Ja, das fand ich auch sehr spannend in dem Film wo gesagt wird Dass es eine Traumatisierung ist, dass man was erlebt hat.

00:14:56: Also nicht die Reanimationen.

00:14:58: Die sind natürlich auch Traumomatisierende aber einfach dieses... dass man etwas erlebt hat wo man eigentlich sich nicht traut darüber zu sprechen weil man bei seinem Unangenehmen ist ja.

00:15:07: Und das wir schon noch in der Medizin natürlich dazu neigen viele Dinge sofort abzuwehren.

00:15:13: Viele Dinge abzudun biomedizinisch einordnen zu wollen.

00:15:19: jetzt ziehen sie auch Wissenschaftsjournalist und Wie ist es Ihnen damit ergangen, sozusagen mit diesen Studien und Statistiken Ihre Erkrankung betreffend?

00:15:35: Ich habe das Glück dass ich auch Medizin hab die mich als ganze Person verstehen und begleiten.

00:15:42: Und auch ansehen.

00:15:44: aber manche Fachärztinnen mit denen natürlich auch zu tun hat Die schauen so wie alle anderen, da bin ich keine Ausnahme.

00:15:55: Im Prinzip auf meine Laborparameter und mich trifft das eigentlich jetzt noch immer weil ich will als ganzer Mensch gesehen werden.

00:16:04: und sie schauen auf die Herzwerte und auf die Nierenwerte Und auf die Werte und jene Werte Und meinen damit sei die Therapie mit mir erledigt.

00:16:17: Das finde ich gar nicht.

00:16:19: In dem Sinn hoffe ich, dass die Medizin strukturell in die Lage kommt auch den Menschen das ganzes viel mehr zu betreuen als es derzeit der Fall ist.

00:16:29: Sehr optimistisch bin ich da allerdings nicht weil die Spezialisierung eher das Gegenteil unter den Ärzten mit sich bringt.

00:16:38: Und gibt's so aus ihrem Erleben für uns auch, dass wir auch was lernen können von ärztlicher Seite oder auch als Team?

00:16:47: So ein absolutes Nogo, wo sie sagen entweder Sie haben da was erlebt.

00:16:51: Was Ihnen in Erinnerung geblieben ist oder auch so etwas... ...was so gar nicht sein sollte aus Patientensicht?

00:17:02: Na ja also das habe ich.

00:17:05: bei ihnen werde ich das wahrscheinlich nicht erleben.

00:17:07: aber es fängt schon damit an dass der Arzt vor seinem Bildschirm sitzt und eigentlich auf dem Bildschirmschaut während er mit mir redet.

00:17:17: Ich weiß, der ist in Unterzeitnot und er sieht auch ganz für ihn, hat für mich wichtige Parameter.

00:17:24: Das ist mir völlig klar.

00:17:26: Das kann ich schon verstehen aber emotional kränkt mich das ein bisschen wenn ich daneben sitze und quasi schräg von der Seite den Menschen anrede, der mir direkt nicht in die Augen sieht.

00:17:41: also dass es eine durchwegstrukturell angelegte um zu reichende Formen mit den Menschen umzugehen, die halt in der Form begründet liegt wie bei uns Medizin verstanden und begriffen wird.

00:18:00: Ja mich ärgert es manchmal so dass es so eigentlich Kleinigkeiten wären, die selbstverständlich sind also in die Augen schauen wenn man Medikaten spricht sich einfach die zwei Minuten Zeit nehmen und zuhören sie dann vielleicht nachher einen Ratten Schwanz verhindern würden an an Dingen kompliziert?

00:18:18: Ja, wobei ich verstehen kann natürlich ein Mediziner der, weiß nicht... ...fünfzehn-zwanzig Patienten in einem halben Tag betreut.

00:18:26: Die dabei da durch reinkommen, der muss ja zunächst einmal für sein Verständnis auf dem Bildschirm schauen damit er dann nichts übersieht.

00:18:34: Dass er dann das aber damit vielleicht wesentliche Parameter meider meine menschlichen Existenz übersieht weil er die gar nicht sehen kann bei denen ich am Bildschirms steht ist eine andere Sache.

00:18:48: Wir haben immer diesen Spruch befunden, ist nicht gleichbefinden weil tatsächlich bilden sich ja viele Dinge im Labor nicht ab sondern die erfährt man im Gespräch.

00:19:00: Darf ich Frank gibt es in dem Film?

00:19:02: Wahrscheinlich eine blöde Frage für einen Filmemacher aber ich traue mich trotzdem Sie zu stellen.

00:19:07: Eine Lieblingsszene, die sie haben?

00:19:11: Nein kann ich nicht sagen.

00:19:12: Ich habe viele der Szene und viele Episoden im Film Auch in dem Sinne liebgewonnen, weil sie versetten das Umgangs mit dem Tod und mit dem Sterben.

00:19:25: Und das medizinischen Umgang damit irgendwie erzählen und manchmal auf eine sehr direkte unmittelbare emotionale Art erzählen.

00:19:36: Und die mag ich eigentlich alle.

00:19:38: Ich habe da keine Höhepunkte.

00:19:41: Und Sie hatten sicher unglaublich viel mehr Filmmaterial?

00:19:45: Ja, das ist immer so.

00:19:47: Wahrscheinlich vierzigmal so viel wie als ich verwenden konnte aber das ist normal beim Filme machen.

00:19:53: Das schreckt mich nicht mehr.

00:19:55: da habe ich einen sehr feinen Kaptar den Harald der mir hilft und er manche Sachen ganz anders sieht.

00:20:02: dass ich sie gemeint habe ursprünglich was dem Film auch bereich hat.

00:20:07: Wie sind Sie auf den Titel gekommen?

00:20:10: Sterben für Anfänger.

00:20:11: Ich glaube, ich habe das irgendwo gelesen.

00:20:13: Es gibt ja schon ähnliche Titel und es hat sofort Klick gemacht.

00:20:17: Und ich nehme da auch keine Rücksicht auf Exklusivität.

00:20:20: Ich beanspruche ja nicht dass meine Gedanken exklusives sind und das spricht einfach ganz viel.

00:20:27: Und es hat auch so eine leicht Füssigkeit die mir gut gefällt gerade bei dem Thema wo alles fort die Schultern hängen lassen und den Kopf sinken.

00:20:41: Daher habe ich gefunden, das passt.

00:20:44: Ich finde es auch sehr schön weil Sie auch gesagt haben am Anfang waren sie ein sachlicher Journalist, da sind Sie sachlich dran reingegangen.

00:20:51: der Film hat ja eigentlich sehr viel auch Spiritualität in sich sogar von dem Physiker.

00:20:58: Das hab' ich gelernt und ich hab Gott sei Dank kennengelernt die auch Physiker, die sehr umfassend auch aus ihrem Wissen dass viel weiter geht der engen Schmalspurnatowissenschaft, würde ich sagen.

00:21:16: Das die mir da helfen, Gedanken zu formulieren, die ich eigentlich gerne transportiert hätte.

00:21:22: Schön weil das merke ich bei uns auf der Station oder im Krankenhaus oft.

00:21:28: Es gibt ja dieses von Cicely Sound dass man körperlicher und psychischer auf sozialer und spiritueller Ebene Patientinnen betreut.

00:21:37: Ich hab manchmal das Gefühl, dass spirituelle kommt im Krankenhaus etwas zu kurz.

00:21:43: Das ist

00:21:44: ein Alphamismus.

00:21:46: Ja, die Spiritualität kommt so gut wie nicht vor und sie wird auch missverstanden als Religiosität.

00:21:53: Das is ja viel umfassender und viel weiter.

00:21:57: Hab ich Gott sei Dank für mich selber auch lernen können als nicht religiöser Mensch trotz dem Ebenen der Spiritualität?

00:22:05: zu erleben und zu erfahren im Sinne auch des sich verbunden Füllens mit der Welt.

00:22:13: Schön, bei uns, also Spiritualität kommt bei uns ein bisschen vor haben sie ja auch wenn unsere Sterbe anderjahr in dem Film ein Gespräch aber wir sind jetzt immer mehr dahinter.

00:22:25: dass wir Spiritualität mehr Raum geben

00:22:28: finde ich sehr gut

00:22:31: Und wir stellen immer bei Aufnahme, wenn jemand bei uns stationär aufgenommen wird eine Frage und die möchten wir hier auch stellen.

00:22:38: Was müssen wir über Sie als Menschen wissen um sie bestmöglich betreuen zu können?

00:22:46: Das ist eine Menge glaube ich.

00:22:47: Ich glaube dass die eigene Geschichte der Umgang mit Verletzungen auch die Geschichte der Eltern und den Verletzenen die die Eltern erlebt haben ganz entscheidend sind für den eigenen Umgang mit den tiefen Kränkungen und Verletzungen, die schwere Krankheiten halt ausmachen.

00:23:09: Und je mehr davon da transportiert werden kann durch Erzählen und Durchfragen, dass du hilfreicher ist es wahrscheinlich für den Betroffenen und das zu mehr wird ich mich dann auch wahrgenommen und aufgenommen fühlen.

00:23:27: Haben Sie Vorsorgedokumente, also eine Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung?

00:23:34: Nein habe ich nicht und durchaus auch mit der Überlegung die ich auch im Film anklinge.

00:23:42: Wie wir oder wie ich persönlich um mit dem Ende dann umgehen will und ob ich da noch lebensrettende Maßnahmen will oder nicht hängt unglaublich von der Situation ab, in der ich mich gerade befinde.

00:23:57: Ich teige empfehlen mir einen Menschen, der begreiflicherweise mit dem Leben Schluss machen will und in dem Augenblick wo er es genehmigt bekommt so viel erfahren hat und Bereicherung erfahren hat dass er bis heute weiterlebt und ich sehe das daher nicht als ewig gültige Antwort, die könnte ich jetzt nicht geben.

00:24:21: Darum habe ich sie auch nirgends hingeschrieben.

00:24:23: Außerdem weiß ich im klinischen Alltag wenn ich da draußen irgendwo um fall wird keiner irgendeinem nach einem zettel fragen sondern er wird mich reanimieren was sich wahrscheinlich bedauern würde weil dieses ewige reanimiert dazu führt doch das kommt dem viel mehr breit vor dass etwa zehn Prozent der Menschen beatmet in der Intensivstation sterben, weil sie reanimiert wurden aus guten Reflexen heraus.

00:24:56: Aber aussichtslos eigentlich und wenn man dann einmal dran hängt an den Beatmung ist es immer schwierig davon wieder wegzukommen.

00:25:07: Wer möchten Sie gewesen sein?

00:25:15: ein Mensch der Verbesserung, der Menschlichkeit und der Beziehung der Menschen beigetragen hat.

00:25:24: Und der Film

00:25:27: soll

00:25:27: prinzipiell oder primär die Berührungsängste mit dem Tod, dem Sterben reduzieren?

00:25:34: Ja!

00:25:34: Und auch sehen das da viel mehr noch passiert und passieren kann als einfach nur ausgeknipst zu werden oder unter furchtbaren Schmerzen dahin vegetieren zu müssen.

00:25:48: Gott sei Dank, bis die Schmerzmedizin heute viel weiter als sie noch vor zwanzig Jahren war und auch die Bereitschaft, sich anzuwenden ist eine andere geworden.

00:25:58: Also er soll uns den Blick auf das Sterben aus Teilhäuser des Lebens eröffnen oder eröffnern helfen.

00:26:09: Odenseels Kind schon Filmemacher werden?

00:26:14: Nein, das war mir erst mit dem Studium gekommen.

00:26:19: Ich habe Sozialologie studiert und habe dann gemerkt, dass mir das zu wenig konkret ist und zu wenig direkt die Informationen, die ich da gewinne mit meinen Studien, so wenig direkt zu den Menschen kommen und bin über den Journalismus eigentlich zum Filme machen gekommen.

00:26:39: Wir haben immer den brustischen Fragebogen.

00:26:40: Das ist ein Gesellschaftsspiel aus dem neunzehnten Jahrhundert wo wir einfach unterschiedliche Fragen uns herausnehmen und sie dürfen einfach spontan antworten.

00:26:51: Ja!

00:26:52: Wir wechseln uns ab, ich fange an einmal mit der Frage was bedeutet für Sie das vollkommene irdische Glück?

00:27:00: Liebe

00:27:04: Lieblingsvogel

00:27:06: Möwe

00:27:08: Was ist Ihr Hauptcharakterzug?

00:27:10: Beharrlichkeit.

00:27:13: Man könnte auch Sturheit sagen.

00:27:17: Was verabscheuen Sie am meisten?

00:27:21: Unehrlichkeit.

00:27:23: Lieblingsname?

00:27:25: Brigitte.

00:27:26: Heißt Ihre Frau Brigitte?

00:27:29: Ja.

00:27:30: Ihre gegenwärtige Geistesverfassung würde mich interessieren.

00:27:34: Ein bisschen angespannt, ein bisschen... Auch wenn es mir hier jetzt gut geht mit Schwingel kämpfend Es könnte schöner sein.

00:27:46: Haben Sie eine Lieblungsgestalt in der Geschichte?

00:27:50: Weg mir jetzt niemand ein!

00:27:53: Haben sie einen Motto?

00:27:55: Nein.

00:27:57: Und Sie sind in Budapest geboren, ist das richtig?

00:28:00: Ja!

00:28:01: Aber wenn man so will, zuvor meine Eltern waren beruflich gerade in Budabest

00:28:08: als ich

00:28:09: zur Welt kamen.

00:28:09: Sie sind beide Österreicher.

00:28:11: Sprechen Sie ungerisch?

00:28:12: Nein

00:28:14: war nur ein Jahr dort und da habe ich noch keine Sprache gelernt.

00:28:18: Was mich immer erstaunt dass in dem Fragebogen auch die Frage vorkommt wie möchten Sie gerne sterben.

00:28:36: Im Bei sein, meinen Liebsten.

00:28:42: Danke dass Sie diese Frage auch beantwortet haben.

00:28:49: Ja das ist wichtig!

00:28:52: Wir haben jetzt glaube ich schon wirklich wunderbare Einblicke bekommen was Palliativcare für sie bedeutet.

00:29:01: Hätten Sie einen Wunsch an das Palliative Care oder an das Universum für Palliotive Care?

00:29:10: Dass es ein Universum wird... Ich glaub Es ist dringend an der Zeit, dass die Medizin insgesamt selbstreflektiv wird und begreift, dass palliativ her eigentlich ein Bestandteil der gesamten Medizin sein müsste.

00:29:32: Danke Herr Langwein!

00:29:33: Ich habe das Gefühl Sie sind so ein gebender Mensch?

00:29:39: Ja ich bin auch ein Nehmetter, aber gerne ja.

00:29:44: Gut so Sehr schön.

00:29:46: Das heißt, den Film kann man

00:29:49: ab?

00:29:49: Ab sechsten November in allen Österreichischen Kinos.

00:29:54: Toll und es lohnt sich wirklich.

00:29:57: Watch Out wird auch finde ich sehr gute Pressearbeit gemacht zu ihrem Film.

00:30:03: also es gibt viel zu entdecken.

00:30:05: wir werden das auch entsprechend verlinken in den Show-Nots Und freuen uns auch selber nochmal ins Kino zu gehen?

00:30:12: Ja, danke.

00:30:13: Ich freue mich auch!

00:30:14: Weil das im Kino noch einmal zu erleben ist was ganz anderes.

00:30:17: Das Kino ist ein Gemeinschaftserleben und unterscheidet sich da sehr vom Bildschirm Schauen.

00:30:25: Jetzt muss ich Sie noch fragen gibt es im Kno einen favorisierten Platz wo sie gerne sitzen eher vorne eher hinten eher in der Mitte

00:30:32: eher relativ weit vorne.

00:30:35: Ja, dann vielen Dank dass Sie bei uns waren.

00:30:37: Es war uns eine Ehre.

00:30:39: Danke für die Ehrlichkeit auf dem Herd und Verletzlichkeit!

00:30:43: Danke für Die Einladung!

00:30:45: Danke schön!

00:30:47: Vielen Dank auch fürs Zuhören.

00:30:48: wir freuen uns wie immer über Fragen oder Anregungen.

00:30:51: schreibt uns gerne unter hochpalliativatmetunivin.ac.at und folgt uns auch gerne auf Instagram unter hoch palliatif.

00:31:00: danke tschüss baba.

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